Titus Gebel

Energie & Rohstoffe: Günstige Kernenergie und der Mythos der Rohstoffknappheit

Energie und Rohstoffe begleiten mich seit 2006: als Mitgründer und langjähriger CEO der Deutsche Rohstoff AG, heute in der Kupferexploration in Argentinien, mit der Aumontis Holding und als Mitgründer des Nuklear-Startups NX Atomics. Aus dieser Praxis stammen zwei Überzeugungen: Günstige Energie ist der Schlüssel zu Wohlstand. Und die Rohstoffe gehen uns nicht aus.

Warum günstige Energie der Schlüssel zu fast allem ist

Günstige Energie ist der Schlüssel zu fast allem. Die Energiekosten wirken sich unmittelbar oder mittelbar auf die Kosten der Produkte und Dienstleistungen einer Gesellschaft aus und damit auf ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Je entwickelter eine Gesellschaft ist, desto mehr Energie verbraucht sie insgesamt, weil deutlich mehr elektrische und industrielle Anwendungen existieren. Das gilt unabhängig vom Verbrauch des einzelnen Haushalts und unabhängig davon, wie gut sich Energie speichern lässt. Alle entwickelten Gesellschaften verbrauchen mit steigender Industrialisierung und steigendem Wohlstand mehr Energie. Deshalb geht es vor allem darum, möglichst günstige Energiequellen zu erschließen.

Kernenergie: die höchste Energiedichte

Die Kernenergie ist dafür besonders geeignet, weil sie eine erheblich höhere Energiedichte besitzt als etwa Wind- oder Solarenergie. Vollständig gespalten setzt ein Kilogramm Uran so viel Energie frei wie rund 2.500 bis 3.000 Tonnen Steinkohle. Eine Tonne Uran würde genügen, um eine Millionenstadt etwa ein Jahr lang mit Strom zu versorgen – ohne dass die Landschaft großflächig durch Solaranlagen oder Windräder beansprucht werden muss.

Allerdings geht das nicht mit herkömmlichen Kernkraftwerken. Ein Kilogramm Natururan liefert in heutigen Leichtwasserreaktoren nur einen Bruchteil der theoretisch gewinnbaren Energie, nämlich weniger als ein Prozent. Bei vollständiger Spaltung in sogenannten schnellen Reaktoren der IV. Generation ist es aber möglich.

Schnelle Reaktoren: Atommüll und Thorium als Brennstoff

Mit entsprechender Wiederaufbereitung können solche Reaktoren sogar die bestehenden Rückstände bisheriger Kernkraftwerke („Atommüll“) als Brennstoff nutzen oder andere Rohstoffe wie etwa Thorium. Aus dem vermeintlichen Endlagerproblem wird so ein Energievorrat.

Small Modular Reactors (SMR): Entscheidend sind die Kosten

Es gibt eine Vielzahl von Nuklear-Startups, die sich mit neuen SMR-Konzepten befassen (Small Modular Reactors, umgangssprachlich auch „Mini-AKW“). Aus meiner Sicht werden Unternehmen, die nicht auf schnelle Reaktoren setzen, früher oder später aus dem Wettbewerb ausscheiden, weil sie bei den Kosten nicht mithalten können.

Auch innerhalb der Gruppe der schnellen Reaktoren ist entscheidend, dass die Kosten möglichst niedrig sind – niedriger etwa als bei Kohle, Gas und erneuerbaren Energien. Sonst wird diese Technologie am Ende niemand in größerem Umfang nutzen. Auch für Freie Privatstädte wären kostengünstige SMRs ideal.

NX Atomics: Strom für 2 Cent pro Kilowattstunde

Da der Bau neuer kommerzieller Kernkraftwerke zur Stromerzeugung in Deutschland derzeit nicht erlaubt ist, habe ich das Nuklear-Startup NX Atomics in den USA mitgegründet. NX Atomics verfolgt das Ziel, die weltweit günstigste stets verfügbare Energie anzubieten: 2 Cent pro Kilowattstunde. Erreicht werden soll das durch den VELA-Reaktor, eine Kombination aus einem schnellen Reaktor, flüssigem Brennstoff, Bleikühlung und 3D-Druck der wichtigsten Komponenten.

→ Mehr über NX Atomics und den VELA-Reaktor

Gehen uns die Rohstoffe aus?

Entgegen landläufiger Annahme gehen uns die Rohstoffe nicht aus. Das liegt daran, dass die Erdkruste überwiegend aus Mineralien besteht, die ihrerseits große Mengen an Metallen enthalten. An vielen Stellen sind die Konzentrationen bestimmter Mineralien oder Metalle erhöht; man bezeichnet das als geochemische Anomalie.

Ob eine solche Anomalie eine abbauwürdige Lagerstätte ist, entscheidet allein der Preis. Wäre dieser hoch genug, lohnte sich trotz extrem niedriger Gehalte sogar die Goldgewinnung aus Meerwasser.

Weil der Irrtum der Rohstoffknappheit so verbreitet ist (vgl. den Earth Overshoot Day, an dem die Menschheit angeblich die Ressourcen eines ganzen Jahres aufgebraucht hat, und ähnlichen Unsinn), nachfolgend einige Worte dazu.

Malthus: die erste große Knappheitsprognose – und warum sie scheiterte

Thomas Robert Malthus vertrat 1798 in seinem „Essay on the Principle of Population“ die These, dass die Bevölkerung geometrisch (exponentiell) wächst, während die Nahrungsmittelproduktion nur arithmetisch (linear) zunimmt. Dadurch müsse es langfristig zu Hunger, Armut und Bevölkerungszusammenbrüchen kommen. Er sah Ressourcen, vor allem landwirtschaftliche Flächen und Nahrung, als grundsätzlich knapp und begrenzend an.

Die Theorie ist empirisch widerlegt, vor allem durch technologischen Fortschritt wie die Erfindung des Kunstdüngers. Produktivitätssteigerungen in der Landwirtschaft durch Mechanisierung, Kunstdünger, Pestizide, Hochleistungssorten und später die Grüne Revolution ließen die Nahrungsmittelproduktion schneller wachsen als die Bevölkerung. Die Weltbevölkerung ist von rund einer Milliarde (1800) auf über acht Milliarden gewachsen. Gleichzeitig sind Hunger und extreme Armut prozentual und in vielen Regionen auch absolut stark zurückgegangen. Die Nahrungsmittelversorgung pro Kopf ist gestiegen.

Bei nicht nachwachsenden Rohstoffen ist es ähnlich.

Peak Oil: Warum uns das Öl nicht ausgegangen ist

M. King Hubbert sagte 1956 voraus, die US-Ölförderung werde um 1970 ihren Höhepunkt erreichen und danach unumkehrbar fallen („Peak Oil“). Die Kernannahme: Die geologischen Reserven seien weitgehend bekannt und fix, die Förderung folge einer Glockenkurve, und neue Quellen seien zu teuer oder technisch unmöglich.

Was wirklich geschah: Die Förderung in den USA fiel nach dem Höhepunkt 1970 (ca. 10 Mio. Barrel pro Tag) tatsächlich jahrelang. Aber ab etwa 2008 kehrte sich der Trend um. Dank Hydraulic Fracturing (Fracking) und Horizontalbohrungen in bisher nicht erschließbare Schieferölvorkommen stieg die US-Rohölproduktion auf Rekordwerte. 2025 lag sie bei durchschnittlich 13,6 Mio. Barrel pro Tag – deutlich über dem alten Höchststand und höher als in Russland oder Saudi-Arabien. Seit 2018 sind die USA der weltgrößte Ölproduzent. Auch die weltweite Ölförderung stieg weiter und liegt heute bei rund 100 Mio. Barrel pro Tag.

Die dramatischen Einbrüche und Knappheitskrisen der Peak-Oil-Prognosen blieben aus. Denn Ölreserven sind keine fixe geologische Größe. „Nachgewiesene Reserven“ wachsen mit Technologie, Preisen und Exploration. Öl, das 2005 zu teuer oder technisch nicht förderbar war, wurde zwischen 2012 und 2020 profitabel. Hubberts Modell behandelte Reserven statisch und ignorierte Innovation. Die hohen Ölpreise der 2000er-Jahre finanzierten genau die Technologien und Investitionen, die die Knappheit überwanden. Märkte reagieren auf Knappheitssignale.

Als CEO der Deutsche Rohstoff AG habe ich den Fracking-Boom und die neue Horizontalbohrtechnik im eigentlich erschöpften Wattenberg-Feld in Colorado von 2011 bis 2014 hautnah miterlebt.

Fracking in Deutschland: seit den 1960er-Jahren im Einsatz

Übrigens: Hydraulic Fracturing (Fracking) ist eine Technologie, die bereits seit 1947 eingesetzt wird. Ursprünglich diente sie vor allem dazu, alte oder wenig produktive konventionelle Bohrlöcher wieder zu aktivieren. In den USA wurden seitdem mehrere Millionen Fracking-Maßnahmen durchgeführt. Auch in Deutschland gab es seit den 1960er-Jahren etwa 300 Fracking-Einsätze in konventionellen Lagerstätten, ohne dass daran jemand Anstoß genommen hätte.

Nachdem deutsche Politiker 2017 kommerzielles unkonventionelles Fracking verboten und konventionelles Fracking deutlich erschwert hatten, ist die heimische Gasförderung eingebrochen. Konnte Deutschland 2010 noch rund 12 bis 15 % seines Gasbedarfs aus eigenen Quellen decken, sind es inzwischen nur noch etwa 4 bis 6 %.

Metalle: Was der sinkende Cut-off-Grade bei Gold zeigt

Die Grenze der Abbauwürdigkeit (Cut-off-Grade) ist bei Gold in den letzten 100 Jahren stark gesunken: von 10 bis 20 Gramm Gold pro Tonne Gestein auf heute oft unter 1 g/t, bei großen Tagebauen teilweise 0,3 bis 0,8 g/t. Gründe sind die Einführung und Verbesserung der Zyanidlaugung, effizientere Zerkleinerung, Haufenlaugung und großvolumiger Abbau (massive Tagebaue mit riesigen Baggern und Mühlen).

Höhere Goldpreise und sinkende Kosten pro Tonne bei großen Volumina machen niedrigere Gehalte profitabel. Deshalb ist die weltweite Goldproduktion trotz sinkender Durchschnittsgehalte gestiegen oder stabil geblieben: Es wird immer mehr Gestein verarbeitet.

Sinkender Cut-off-Grade: nicht linear, sondern exponentiell mehr Rohstoffe

Wichtig ist, was generell bei sinkender Cut-off-Grenze passiert, etwa von 10 g/t auf 1 g/t: Es gibt dann nicht nur linear (zehnmal) mehr Material bzw. neue Lagerstätten, sondern exponentiell mehr!

Eine lineare Abnahme des Gehalts geht mit einer exponentiellen Zunahme der kumulativen Tonnage einher (in der Lagerstättenkunde als Lasky-Regel bekannt). In der Praxis gilt die Faustregel: Halbiert man den Cut-off-Grade, multipliziert sich die Erztonnage typischerweise um den Faktor 4 bis 8 (der enthaltene Metallgehalt um den Faktor 2 bis 4), je nach Lagerstättentyp. Ein Rückgang von 10 g/t auf 1 g/t ist eine Reduktion um den Faktor 10. Das entspricht mehreren Halbierungen und führt deshalb zu einer weit mehr als zehnfachen Zunahme der verfügbaren Tonnage – oft in der Größenordnung von Dutzenden bis Hunderten Mal mehr Material, abhängig vom konkreten System.

Kupfer: steigende Produktion trotz sinkender Erzgehalte

Trotz sinkender Gehalte ist die weltweite Kupferproduktion stark gestiegen, weil immer größere Volumina niedriggradiger Erze wirtschaftlich wurden – genau durch den exponentiellen Tonnage-Effekt plus Technologie und Skaleneffekte. Die statistische Logik ist dieselbe wie bei Gold: Niedrigere Cut-offs machen exponentiell mehr Material verfügbar, nicht nur proportional mehr.

Das ist auch nötig, weil die Weltwirtschaft im Mittel um 3 % jährlich wächst und ebenso die Kupfernachfrage. Ich bin selbst in der Kupferexploration aktiv, und zwar in Argentinien.

→ Mehr über Argentina Metals und die Kupferexploration in Argentinien

Rohstoffpreise: Was die langfristige Preisentwicklung zeigt

Gingen uns wirklich die Rohstoffe aus, müssten diese immer teurer werden. Tatsächlich ist das nicht der Fall.

Über die letzten 100 Jahre zeigen alle großen Industriemetalle (Kupfer, Aluminium, Eisen und Stahl, Zink, Blei, Nickel usw.) starke zyklische Schwankungen, aber langfristig keinen dauerhaften Anstieg der realen Preise. Viele Preise liegen inflationsbereinigt auf einem ähnlichen oder sogar niedrigeren Niveau als vor 100 Jahren.

Zwischen 1980 und 2018 stieg die Weltbevölkerung um rund 71 %, während die Zeitpreise für 50 Grundgüter (Energie, Nahrung, Metalle usw.) um rund 72 % sanken. Der Zeitpreis ist die Arbeitszeit, die man aufwenden muss, um sich ein Gut leisten zu können. Man bekam für die gleiche Arbeitszeit also etwa 3,5-mal so viel (Simon Abundance Index von Marian Tupy und Gale Pooley).

Fazit: Kein Grund für Verzichts- und Untergangsprognosen

Es gibt somit keinen wirklichen Grund für antihumanistische Verzichts- und Untergangsprognosen, außer dem, politische Macht erringen zu wollen.

Rohstoffe sind trotzdem ein spannendes und durchaus lukratives Thema. Ich bin mit der Aumontis Holding dabei.

→ Mehr über die Aumontis Holding

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